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Volltextalternative zum Video: 'Kleines Theaterstück „Der Vielredner“'

Ich beim Arzt: kleines Theaterstück „Der Vielredner“

In der Mitte ein Tisch mit einem Laptop. Links sitzt eine Ärztin, ca. 55 Jahre, blonde Haare, rote Brille, weißer Kittel. Hört aufmerksam zu, während rechts ein ca. 60-jähriger Herr spricht – Schnauzbart, dunkelhaarig, hellblaues Hemd, gelbe Hose. Gestikuliert wild mit rechter Hand. Ärztin lehnt sich resignierend zurück.

Patient: „Sie, ich hab ein Riesenproblem: Es tut so weh. Es ist wirklich schlimm. Wissen's, wenn ich in der Früh' wach werd', ach, was heißt wach werden, ich schlaf ja gar nicht, also wenn ich wach werde, mir tut alles weh. Und vor allem, wissen's, das ist so ein intensiver Schmerz, also, das ist schlimm, das macht mich so was von fertig. Also, jetzt sagen's mir aber mal was. Wissen's, es ist ja so...“

Ärztin unterbricht Patient, lehnt sich nach vorn.

Ärztin: „Ja, ich komm ja gar nicht zu Wort!“

Der Mann spricht und gestikuliert einfach weiter. Ärztin lehnt sich wieder abwartend zurück.

Patient: „Unterbrechen's mich doch nicht dauernd. Mann, Sie bringen mich ja ganz durcheinander. Also, ich war jetzt im Internet und...“

Ärztin lehnt sich wieder nach vorn

Ärztin: „Also, Herr... Hammel ist Ihr Name, richtig?“

Es ist nun die gesamte Bühne zu sehen, links von der Ärztin eine Tafel mit Abbildungen des Körpers, rechts vom Patient steht ein Skelett.

Patient: „Hammel ist mein Name. Aber jetzt lassen's mich einmal zu Ende sprechen. Sie bringen mich ganz durcheinander.“

Die Ärztin wird wieder von Nahem gezeigt. Sie schaut gelangweilt in ihren Laptop und tippt etwas ein. Die Kamera zeigt wieder den Patienten, der weiter wild gestikuliert.

Patient: „Und hab also festgestellt, ich hab Morbus Bechterew. Das ist nicht so schlimm, weil ich hab halt gelesen, wenn man so ein Katzenfell hernimmt und da hinten hintut, das ist in Ordnung, da ist man praktisch wieder gesund.“

(Ärztin mittendrin: „Gut... Gut...“)

Patient: „Ja, das haben Sie schon richtig erkannt. Wissen Sie, mich würde interessieren, gibt’s da irgendwie gesunde Tabletten, wo man dagegen nehmen kann?“

Wieder ist die Ärztin zu sehen, die dem Patienten ernster ins Gesicht schaut.

Ärztin: „Ja, wenn Sie mich wenigstens mal ausreden lassen oder überhaupt starten lassen, dann könnte...“

Durch die Unterbrechung schaut die Ärztin genervt ins Publikum – und wieder zurück zum Patienten.

Patient: „Ich will wissen, ob's gesunde Tabletten gibt.“

Patient lamentiert und gestikuliert weiter. Ärztin hört und schaut fast reglos zu, lehnt sich wieder zurück.

Patient: „Sie sollen mir jetzt keinen Vortrag halten oder irgendeine wissenschaftliche Geschichte erzählen. Mir wär's wichtig, gibt’s da etwas? Wissen Sie, diese Pharma, die sind ja unmöglich, die machen ja gar keine gesunden Tabletten. Also, wissen's, das finde ich ja nicht in Ordnung. Und jetzt bin ich extra hier nach Berlin, also zu Ihnen als große Fachärztin gekommen, aber in Berlin, da geht überhaupt nichts weiter momentan, alle schauen Fußball...“

Ärztin zurückgelehnt.

Ärztin: „Also, sagen Sie mal, Herr Hammel, wann holen Sie eigentlich mal Luft?“

Der Patient redet sich weiter in Rage, gestikuliert noch immer, noch wilder…

Patient: „Ja, dann, wenn ich Zeit hab. In der Frühe hab ich Zeit, wenn meine Schmerzen sind und ich nicht schlafen kann, dann bin ich nicht mehr froh. Na, erzählen Sie mir doch mal: Was kann ich denn da jetzt am besten machen?“

Die Ärztin schaut immer verdutzter. Hebt den Blick vom Laptop zum Patienten.

Ärztin: „Ja, wenn Sie mal Luft holen und ich mal was sagen kann. Erstmal gibt’s keine gesunden Tabletten...“

Patient: „Nicht?“

Nun hebt die Ärztin die Hand, macht deutlich, dass der Patient einmal schweigen soll.

Ärztin: „...und Sie wollen von mir wissen, welche Therapie für Sie die richtige ist...“

Kamera bleibt bei Ärztin, die jetzt genervt ist und resignierend schaut.

Patient: „Na, Sie müssen mir doch erstmal eine Diagnose stellen. Ich mein', wissen Sie, es ist ja...“

Erneut hebt die Ärztin die Hand – man spürt, wie sie langsam innerlich zu explodieren beginnt.

Ärztin: „Na, Sie haben doch die Diagnose bereits gestellt!“

Patient redet sich weiter in Rage. Die Szene zeigt beide am Tisch.

Patient: „Aber Sie sind doch die Spezialistin und nicht ich.“

Die Ärztin atmet tief durch. Fokussiert sich und spricht ruhig, aber bestimmt.

Ärztin: „So geht’s nicht, Herr Hammel.“

Patient: „Wieso nicht?“

Patient schaut verdutzt.

Ärztin: „Gehen Sie bitte raus, meine Mitarbeiterin macht mit Ihnen einen neuen Termin, und dann gucken wir mal, ob wir das nächste Mal besser...“

Patient tippt auf seine Uhr.

Patient: „Dann muss ich ja wieder nach Berlin fahren!“

Ärztin spricht weiter ruhig und bestimmt.

Ärztin: „Ja, es tut mir leid, aber so geht’s nicht. Ich komme nicht zu Wort, Sie nehmen nichts an, Sie meinen, ich rede andauernd...“

Patient winkt ab, ist sichtlich sauer...und steht auf, winkt abwertend…

Patient: „Ach, haben Sie mich doch gern, ich mag gar nicht mehr reden, ich geh jetzt.“

Ärztin: „Es tut mir leid, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

... und geht von der Bühne. Kamera schwenkt leicht mit. Ärztin bleibt sitzen, nimmt Stift zum Schreiben.

Patient: „Ach, Pfüati Gott. Das passt mir jetzt überhaupt nicht. So ein Schmarrn.“

ENDE


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