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Ich im Krankenhaus – Bei der Visite

Punkt 4: Bei der Visite.

Bei der Visite ist es mittlerweile nicht mehr ganz so wie vor 20 Jahren, wo ein Arzt mit einer Schwester oder einem Pfleger reinkam, die dann fleißig mitgeschrieben haben, sondern es ist so, dass oft viele verschiedene Ärzte dort stehen, vielleicht auch verschieden Fachrichtungen, also ein Orthopäde und ein Anästhesist, also der Narkosearzt, vielleicht auch noch ein Internist und ein Gerontologe, also auf einmal sind ganz viele Ärzte am Bett und dann ist es natürlich manchmal nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten, vor allen Dingen, ob da noch andere fremde Leute im Zimmer sind, die damit nichts zu tun haben. Es ist sogar so, dass wenn Sie sagen, in der Visite, ich würde da gerne wirklich mal etwas persönlich besprechen mit dem einen Arzt, dann können Sie auch die anderen Ärzte und das Pflegepersonal rausbitten, das ist Ihr gutes Recht.

Grundsätzlich sollte man aber eben darauf achten, dass die fremden Besucher, also die Besucher vom Bettnachbarn eben nicht auch noch im Zimmer sind und selber natürlich eben auch darauf achten, dass wenn die Visite beginnt, dass man den eigenen Besuch rausschickt, denn letzten Endes sollte man die andere Menschen ja so behandeln, wie man selber auch behandelt werden möchte.

Dann ist es aber natürlich noch ganz wichtig bei der Visite, das ist so in uns Ärzten einfach so drin, wir reden dann über den Patienten anstatt mit dem Patienten. Das geht dann so, dass man sagt: „Ja, was hat er denn?“ – „Ja, er hat dies und jenes und da könnten wir jetzt das machen. Wird das denn helfen?“ – „Weiß ich auch nicht, das müsste man mal mit ihm besprechen.“ Und Sie denken sich: „Ja, das können Sie genau jetzt mit mir besprechen. Ich liege ja hier. Warum sagen Sie denn nichts?“

Viele Ärzte bemühen sich mittlerweile, das Gespräch erst einmal zu beginnen mit dem Patienten, sich dann untereinander auszutauschen, das ist schon auch wichtig und dann natürlich wieder mit dem Patienten zusammen so eine Art Zusammenfassung zu machen. Das ist schon sehr, sehr wichtig und auch dass alle dem Patienten zugewandt sind, dass man auch das Kopfende so hoch macht, dass man ein bisschen sitzt und nicht irgendwie so liegt und nur nach oben gucken darf: „Wer ist denn da? Wer steht denn da eigentlich gerade über mir?“ Das ist dann ja nicht so ganz auf Augenhöhe.

Dann ist noch ganz wichtig, dass Sie sagen „Hmmm, manchmal verstehe ich nicht alles unbedingt und manchmal ist es so, dass ich gar nicht weiß, was das für mich zuhause bedeutet. Ich brauche einen Angehörigen.“ Dann holen Sie sich zur Visite jemanden dazu. Fragen Sie einfach, wann ist die Visite, wann soll mein Angehöriger da sein, damit wir alles zusammen besprechen, vielleicht auch zusammen entscheiden können und es ist tatsächlich so, dass die Angehörigen manchmal auch noch etwas sagen, was man selber nicht unbedingt auf dem Plan hat oder wo man sich denkt: „Ja, das ist mir jetzt nicht so angenehm.“ Klassisches Beispiel ist, wenn man gefragt wird, wie oft machen Sie denn Sport. Und Sie sagen so: „Ja regelmäßig, so ein paar Mal die Woche schon. “ Und die Angehörige dann sagt: „Wat? Wann hast du denn das letzte Mal Sport gemacht?“ Also das hilft manchmal auch ganz gut und mein Credo ist immer „Vier Ohren hören mehr als zwei“.

So und dann ist natürlich noch ganz entscheidend, dass Sie tatsächlich nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Das ist nicht unhöflich, sondern es bringt ja nun gar nichts, dann braucht der Arzt eigentlich gar nichts erklären, wenn Sie es nicht verstehen. Fragen Sie ruhig nach. Sie können auch zweimal oder dreimal nachfragen. Da muss der Arzt das halt mal so erklären, dafür ist ja die deutsche Sprache schön vielfältig, dass es wirklich sitzt.

Und dann kommen wir zum letzten Punkt: machen Sie sich ruhig ein paar Notizen. Haben Sie einen Zettel und einen Stift dabei, bringen Sie den von zuhause am besten schon mit oder fragen Sie den oder die Angehörigen, dass Sie natürlich sagen: „Schreib doch mal bitte für mich bitte mit, damit wir das nachher besprechen können.“ Am Ende des Krankenhausaufenthalts gibt es ja nochmal Befunde und Dokumente und Entlass-Briefe und so weiter und so fort. Aber manchmal ist es natürlich ganz schön, selber aufzuschreiben, worum geht es und worauf muss ich zuhause achten. Denn es ist tatsächlich – ist mir selber auch schon passiert – man vergisst es danach. Es macht alles so wahnsinnig viel Sinn in der Visite, kaum ist sozusagen der ganze Zirkus dann wieder aus dem Zimmer raus, denkt man sich: „Oh, oh, oh, was war denn das?“ Und das wäre ja natürlich einfach schade. Sie wollen ja, dass Sie das meiste für sich rausholen.


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