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Ich im Krankenhaus – Wenn ich entlassen werde

Punkt 5: Wenn ich entlassen werde.

Ganz ehrlich, das ist für mich der wichtigste Punkt des gesamten Krankenhausaufenthaltes. Denn das ist der entscheidende Moment, wo Sie nachts nicht mehr klingeln können und Hilfe von einem Pfleger oder einer Pflegerin bekommen, nicht mehr einen Arzt fragen können, nicht mehr wissen, wenn etwas passiert ist, ist sofort jemand da, sondern es geht zurück nach Hause und dort sind Sie – entweder auf sich allein gestellt – oder eben auf die Familie oder nahestehende Personen angewiesen – und das ist schon eine andere Nummer als im Krankenhaus. Und deswegen ist es so wichtig, dass Sie gut vorbereitet sind.

Und dazu zählt zum Beispiel, dass Sie sich noch einmal Gedanken machen, was sind denn jetzt die ersten Schritte. Gehen Sie es wirklich vorm geistigen Auge durch: Ich komme nach Hause, worauf kommt es an? Muss ich erst einmal vier Stockwerke Treppen hochlaufen? Oder ist da irgendetwas, wo ich mit dem Rollstuhl nicht durch passe? Oder muss auf irgendetwas achten? Und diese Fragen stellen Sie dann natürlich auch, dass Sie sagen: „Was darf ich essen? Wann darf ich wieder normal essen? Darf ich duschen, wenn „Nein“, ab wann darf ich denn wieder duschen? Welche Bewegungen sollte ich nicht machen?“ Das sind alles ganz wichtige Dinge, die wir Ärzte manchmal so ein bisschen vergessen, weil wir denken, ja, es ist doch eh, wissen wir doch, wie es geht… Nein, wissen Sie ja manchmal eben nicht und deswegen dürfen Sie auch ruhig nachfragen und sich das erklären lassen. Das ist wie gesagt ganz entscheidend.

Und dann ist es natürlich auch so, dass mittlerweile viele Patienten von Freitag oder auf den Samstag entlassen werden und da ist es ganz, ganz wichtig, dass Sie natürlich ausreichend Medikamente mitbekommen. Selbst wenn Sie auf nen Mittwoch entlassen werden und Sie nur noch für den Tag Medikamente haben, dann müssen Sie ja quasi am gleich Tag schon los und sagen „Oh, jetzt muss ich in die Apotheke Medikamente kaufen.“ Das ist unfassbar anstrengend, denn Sie sind wirklich erst einmal glücklich zuhause zu sein und meistens fix und fertig und sagen sich „Och, was war das jetzt alles anstrengend. Was war das für eine große Reise.“ Und dann denken Sie sich „Oh, jetzt muss ich hier noch bis 16 Uhr in der Apotheke gewesen sein.“ Das ist wirklich nichts, womit man sich dann aufhalten will, vor allen Dingen, weil das Problem auch relativ leicht gelöst ist, indem Sie einfach genug Tabletten mitbekommen. Oder ein Folgerezept, das Sie jemanden losschicken können und sagen können: „Hier, hol doch mal eben die Tabletten ab.“

Und ansonsten natürlich ganz wichtig, dass Sie vielleicht schon aus der Klinik heraus Kontakt mit dem Arzt aufgenommen haben oder der Hausärztin, Spezialist oder Nicht-Spezialist, ist eigentlich egal, also Ihr persönlicher Arzt sollte Bescheid wissen, damit Sie, wenn Sie Fragen haben, sich natürlich an diesen Arzt wenden können und auch rechtzeitig dort wieder vorstellen, denn der muss ja jetzt den Ball weiterspielen. Sie haben einen Entlass-Brief, meistens vorläufig, später kommt ein größerer, den nehmen Sie mit. Da steht alles drin, was der Arzt wissen muss. Mittlerweile sollten die auch so geschrieben sein, dass jeder diesen Arztbrief versteht, also auch jemand, der nicht Medizin studiert hat, damit man wirklich weiß „Aha, um diese und jene Sache geht es.“ Und das funktioniert eben ganz gut.

Ganz wichtig ist natürlich auch noch, dass es wirklich sein kann, dass zuhause eben alles noch nicht klappt. Man kommt die Treppe nicht hoch, man schafft es nicht, sich selber etwas zu kochen, man möchte irgendwo hin oder muss irgendwo hin und schafft es gar nicht, selber Auto zu fahren – und da sind natürlich die Unterstützungsangebote sehr wichtig. Heute werden die immer vielfältiger, weil es wichtig, die Menschen schnell wieder in ihr Leben zu integrieren und das läuft dann zum Beispiel über den sogenannten Krankenhaussozialdienst. Klingt total spröde, ist aber tatsächlich dann der richtige Ansprechpartner oder die richtige Ansprechpartnerin, die Ihnen dann helfen kann, alles zu organisieren, damit Ihr Leben zuhause so einfach ist wie möglich und Sie gut wieder ankommen.

Und dann ist natürlich noch ganz wichtig: im Zeitalter der sogenannten chronischen Erkrankung, das heißt, vielleicht wurde bei Ihnen im Krankenhaus etwas entdeckt oder Sie wurden operiert, weil Sie eine lang andauernde Krankheit haben, chronisch, die Ihr Leben begleitet. Dann ist natürlich auch wichtig, sich mit entsprechenden Selbsthilfegruppen auseinanderzusetzen und zu überlegen: welche passt da am besten zu mir? Wo kann ich da gut Informationen bekommen? Wie kann ich mir Unterstützung besorgen? Und natürlich später auch noch Unterstützung zurückgeben. Das ist ganz entscheidend, denn oft ist es so, wir Ärzte können zwar gute Ratschläge geben und auch den richtigen Weg aufweisen, aber die Motivation, die Umsetzung und auch das Verständnis, dass es alles einen Sinn hat, so eine Therapie etc. durchzuführen, die kriegt man besonders gut von Patienten, die das gleiche Leiden haben.

Und deswegen machen Sie sich eben richtige Stichpunkte, arbeiten Sie alles durch, damit Sie gut und sicher nach Hause kommen.


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